Mittwoch, 8. März 2017

Rezension: Die Töchter Allahs

Originaltitel: Nine Parts of Desire: The Hidden World of Islamic Women
Autor: Geraldine Brooks
Verlag: C. Bertelsmann, 1994
Seiten: 313
ISBN: 3570121720, 9783570121726
Bewertung:  



Sonntag, 22. Januar 2017

Minderwertigkeitskomplexe wegen Mangel an Talenten

Das viele Menschen eine wirklich schlechte Meinung von sich und ihren Talenten haben, ist mir schon vor langer Zeit aufgefallen. Einmal saß ich mit zwei Bekannten in der Sporthalle auf der Bank. Wir waren alle drei verdammt schlimm erkältet und konnten deshalb nicht im Unterricht mitmachen, nicht dass uns das wirklich gestört hat. Ich war ziemlich glücklich eine Ausrede zu haben, um nicht beim Kugelstoßen mitmachen zu müssen. Mal ehrlich Kugel-Stoßen. Was ist denn das für eine Sportart?!
Wir saßen da zu dritt und haben uns über irgendetwas Belangloses unterhalten. Ab und zu haben wir auch den anderen zugeschaut. Ein Mädchen, ich nenne sie mal Anna, hat das ziemlich gut gemacht. Bei ihr sieht das Stoßen einer Kugel fast schon galant aus. Sie ist Leistungsturnerin und ein Ass im Sport. 
Ich schaue ihr gerne zu, wenn sie turnt, weil das bei ihr sehr schön und professionell aussieht. Ich bewundere die Disziplin und Ausdauer und den Kampfgeist. die dahinter stecken. 
Plötzlich äußert sich eine meiner Nachbarinnen dazu. Sie sagte, sie wäre gerne genauso gut im Sport wie Anna. "Hey", entgegnet da promt die andere, "ich wäre gern überhaupt so wie Anna. Sie ist gut in allem, was sie tut. Sie ist gut im Sport, sie hat gute Noten, sie ist intelligent und hat soooo viele Talente. Ich weiß gar nicht, wo meine Talente liegen."
"Ich auch nicht", meint die andere seufzend und fängt an, an den Fingern aufzuzählen, "Serien schauen und Schlafen." 
Ich fühlte mich irgendwie unwohl. So oft ich Anna auch beim Turnen zugeschaut habe, habe ich weder Eifersucht, noch irgendwelche Minderwertigkeitsgefühle verspürt. Ehrlich gesagt habe ich nie Minderwertigkeitskomplexe, wenn ich mit jemandem zusammen bin, der etwas besser kann als ich.
Warum zum Teufel sollte ich? Es wird immer jemanden geben, der bestimmte Dinge besser kann als ich. Und wenn schon! Das spornt mich an. Ich bin lieber von talentierten, erfolgreichen, schönen und glücklichen Menschen umgeben als von deprimierten, hässlichen Versagern. Das ist wie bei Landschaften, man ist lieber in einer schönen Gebirgslandschaft als in einem grauen Moor. Oder mag jemand Sümpfe?
Ein anderes Mal hat mein Freundeskreis über einen Jungen geredet, der sehr gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern hatte. Er gilt als sehr klug und gebildet, wahrscheinlich weil er noch dazu sehr ruhig ist. Ruhige Menschen sind von so einer weisen Aura umgeben, habe ich mal gehört. Eine Freundin sagte, dass sie sich nicht vorstellen könnte mit dem Jungen in einer Beziehung zu sein. Sie würde sich neben ihm immer so dumm und unsportlich fühlen (er spielt Handball in der Stadtmannschaft). Ich habe mich wieder komisch gefühlt und kein Wort gesagt, hab einfach gewartet bis diese ermüdende Diskussion ein Ende fand. Wenn ich jemanden treffe, der klüger ist als ich, verwandele ich mich dann plötzlich in eine dumme Person?
Ich finde es befreiend mit klugen Menschen zusammen zu sein, weil man sich mit ihnen auf Augenhöhe unterhalten kann. Man muss sein Niveau weder senken, noch so tun als wäre man genauso dämlich.
Ich glaube, irgendetwas stimmt mit mir nicht. Wieso bekomme Ich in solchen Situationen nie Minderwertigkeitskomplexe? Vielleicht weil ich keine bekommen muss. Ich bin zufrieden mit mir. Ich kann Menschen aufrichtig Komplimente machen. Ich liebe schöne Menschen. Ich liebe ehrgeizige Menschen, die Disziplin haben und sich anstrengen. Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand eine Stufe über mir steht, dann ist das ein Ansporn, sich zu verbessern. Mehr Bücher zu lesen, mehr Sport zu treiben, mehr Disziplin haben, mehr träumen. Was soll ich mit  dummen und faulen Leuten? Im besten Fall halten sie einen zurück, im schlimmsten ziehen sie einen runter auf ihr Niveau.

Sonntag, 8. Januar 2017

Meine Art von Feminismus

Menschen, die sich selbst als Feministen bezeichnen - besonders Männer - haben mich schon immer genervt. Das liegt zum Teil daran, dass ich den Begriff "Feminismus" früher mit arroganten kalten Zicken verband, die auf Männer herabblicken und für Rechte kämpfen, die niemand braucht. Mich stört die Tatsache, dass in politisch korrekten Texten nahezu jeder Beruf eine weibliche Form benötigt. Schreibt man "seine Meinung", muss man auch "ihre Meinung" schreiben. Ich denke, jeder weiß, was ich meine. Wozu braucht man das denn? Können die sich nicht mit einer männlichen Form abfinden und sie als universell betrachten? Dazu kommt, dass Männer den Damen ja nicht die Tür aufhalten oder den Stuhl zurecht schieben sollen, das ist erniedrigend. Eine starke Frau kommt allein mit der Tür zurecht oder?
Inzwischen ist mir aufgefallen, dass ich als Kind oft mit dem Thema konfrontiert wurde. Ich gehörte zu den Mädchen, die lieber ein Junge sein wollten (jetzt bin ich mit meinem Geschlecht ganz zufrieden). Der Grund dafür, waren die Filme, die ich schaute. In ihnen gab es unbedingt den coolen Helden, der alle Bösen platt machte, schlagfertig und witzig war und ganz nebenbei die Welt rettete. Dieser Held war immer männlich. Die Frauen oder Mädchen in den Filmen waren übertrieben zickig, behinderten den Helden und mussten zu allem Überfluss auch noch gerettet werden. Ich wollte nicht die weinende Tussi im Kleid sein (allgemein habe ich Kleider gehasst). Ich wollte der Held sein, der Kung Fu kann, ein Schwert schwingt und es einfach drauf hat. Ich hasste die Tatsache, dass Mädchen weinen dürfen, weil sie die zarten Blumen sind. Für mich war das offenkundig eine Schwäche. Der Held weint ja auch nicht.
Die Folge: Jedes Mal, wenn ich einen Film sah, indem eine Frau die Actionheldin war, habe ich diesen Film unbewusst ins Herz geschlossen. Ein Teil von mir tut es noch heute.
Viele Filme und Serien werden inzwischen für ihre starken Frauencharaktere gelobt. Carrie Mathison (Homeland), P. L. Travers (Saving Mr Banks), Carrie (Carrie), Brienne of Tarth (Game of Thrones).
Sie sind eiskalt, wissen, was sie wollen und benötigen keinen Mann um sich durchzusetzen. Mir gehen alle genannten Figuren auf den Sack (dabei habe ich nicht einmal einen). Carrie aus dem gleichnamigen Thriller ist ein starkes Mädchen, das sich nicht davor scheut, ihre Kräfte einzusetzen und es ihren Peinigern heimzahlt. Mir kommt sie mehr, wie ein kaputtes und traumatisiertes Kind vor, das vollkommen die Beherrschung verloren hat. Travers ist eine hysterische und etwas verrückte Frau, die in dem Zuschauer eher Mitleid als Bewunderung entfacht. Carrie Mathison kann sich verteidigen, ist single und arbeitet für die CIA. Gleichzeitig leidet sie unter einer bipolaren Störung, ist ermüdend engstirnig und rennt viel zu gerne mit dem Kopf gegen die Wand. Außerdem verliebt sie sich in einen Kerl, der echt unheimlich aussieht und dem das "huhu, ich bin ein Doppelagent" praktisch auf die Stirn geschrieben steht.
Und so etwas soll ich bewundern? Eine Frau muss nicht single sein oder kämpfen können, um stark zu sein. Mir ist es wichtiger, wenn sie sich nicht im Schatten eines Mannes versteckt und sich nicht von Schicksalsschlägen erschüttern lässt. Weitermachen, selbst wenn man am Ende ist, das sehe ich als Stärke. Eine Frau muss im Film nicht genauso handeln, wie ein Mann. Ich gebe mich schon damit zufrieden, wenn sie nicht hysterisch wird oder ständig weint.
Ich bin nicht der Meinung, dass Frauen und Männer gleich sind. Ich bin auch nicht dafür, dass Kinder geschlechtsneutral erzogen werden sollen. Viele Frauen wollten, dass Hillary Cliton Präsidentin wird und zwar einfach, weil noch nie eine Frau Präsidentin von Amerika war. Wenn es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, welche Scheißrolle spielt es dann, ob der Präsident von Amerika ein Mann oder eine Frau ist?
Ich sage offen heraus, dass ich kein Freund von Männern bin, die sich schminken oder Röcke tragen. Das widerspricht natürlich der heutigen Ethik (oh nein!). Männer, die Gefühle zeigen sind ganz ok, ist ja nur menschlich, aber sie sollten sich trotzdem ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung bewahren. Das gilt auch für Frauen, meine ich zumindest.
Ich finde Frauenfußball wirklich abscheulich, aber es ist wundervoll, dass es ihn gibt. Frauen sollten in sportlicher Hinsicht dieselben Möglichkeiten haben wie Männer. Wenn eine Frau boxen oder Schwergewichtsweltmeisterin werden will, dann ist es toll, dass sie das auch tun kann - egal wie widerlich oder furchteinflößend das auf mich wirkt.
Selbstverständlich gibt es Ausnahmen wie "ich wurde im falschen Körper geboren". Ich glaube jedoch, dass es doch gewisse Aspekte gibt, die einfach durch das Geschlecht bedingt sind, was ja nichts Negatives ist. Wenn ein Kind unsicher ist, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist und eine Wahl braucht, dann soll es sie bitteschön auch kriegen. Die meisten Kinder brauchen, aber keine verdammte Wahl. Wie viele Jungs greifen denn lieber zur Barby als zum Fußball? Ich kenne da nicht so viele.
"Wir sollten aufhören, Feministen als Feministen zu bezeichnen und einfach alle, die es nicht sind, als Sexisten bezeichnen", hat eine Schauspielerin einmal gesagt. Für viele Menschen sind Feministen Frauen, die für ihre Rechte kämpfen. Ehemalige Suffragetten, die einen neuen Namen für sich gefunden haben. Definiert man den Begriff so, dann kann sich 50% der Bevölkerung schon mal nicht so bezeichnen. Warum wohl?
Feminismus bedeutet für mich, dass eine Frau exakt dieselben Rechte und Pflichten wie ein Mann hat. Nicht, dass beide Geschlechter gleich sind. Das sind sie allein physisch nicht. Sieht man das so, kann man jeden, der nicht sexistisch ist ( im Sinne von "was sagt Ihr Mann dazu?"), als Feministen bezeichnen.